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Wenn der Feierabend überflüssig wird

Wir arbeiten, um zu leben. Und wir sehnen den Feierabend herbei, damit wir endlich damit anfangen können. Aber muss das eigentlich so sein?

Vor einigen Jahren erzählte mir ein Ehepaar, das im Network Marketing tätig war, eine kleine Geschichte aus seinem Leben. Die beiden reisten gern mit ihrem Wohnmobil. Auf dem Campingplatz stellten sie ihre Stühle vor das Fahrzeug, schenkten sich ein Glas Wein ein und genossen ihren Urlaub.

Wer schon einmal auf einem Campingplatz war, kennt vielleicht diese besondere Atmosphäre: Man grüßt sich, kommt leicht ins Gespräch und ist oft schnell beim Du, obwohl man sich gerade erst kennengelernt hat. Dazu kommt, dass die meisten Menschen dort Urlaub machen. Sie haben Zeit, müssen nicht gleich zum nächsten Termin und lassen sich eher auf ein Gespräch ein als im hektischen Alltag. 

Wenn jemand vorbeikam, grüßten die beiden freundlich. Manchmal blieb jemand stehen, ein Gespräch entwickelte sich und gelegentlich lud man jemanden auf ein Glas Wein ein. Man redete über Gott und die Welt, über das Reisen, persönliche Erfahrungen und irgendwann vielleicht auch darüber, womit man seinen Lebensunterhalt verdiente. Auch einige ihrer Produkte hatten die beiden dabei. Wenn sich jemand dafür interessierte, konnten sie etwas zeigen, ausprobieren lassen oder ein Aloe-Getränk zum Probieren anbieten. Und wenn es passte, war sogar eine Bestellung vor Ort möglich. Dafür mussten keine Kundentermine vereinbart oder Verkaufsgespräche organisiert werden. Die Begegnungen ergaben sich aus dem gemeinsamen Campingalltag.

Aus manchen entstanden Bekanntschaften. Aus einigen wurden Kunden, manchmal sogar neue Geschäftspartner. Nicht immer natürlich. Und das war offenbar auch gar nicht entscheidend. Die beiden machten Urlaub, lernten Menschen kennen und genossen ihre Zeit. Dass sich daraus gelegentlich geschäftliche Möglichkeiten ergaben, gehörte für sie ganz selbstverständlich dazu. Sie machten Urlaub. Und manchmal machten sie dabei auch Geschäfte. Ohne dass das eine das andere ausschloss.

Arbeiten, damit wir endlich Feierabend haben?

Wir sind es gewohnt, unser Leben in zwei Bereiche einzuteilen: Hier die Arbeit, dort die Freizeit. Hier die Pflichten, dort die schönen Dinge. Morgens beginnt die Arbeitszeit, irgendwann endet sie. Dazwischen verdienen wir das Geld, mit dem wir uns anschließend unser Leben ermöglichen.

Natürlich gehen viele Menschen gern zur Arbeit und empfinden ihre Tätigkeit als erfüllend. Trotzdem ist der Feierabend für uns zu einem beinahe selbstverständlichen Symbol der Freiheit geworden. Endlich Zeit für uns selbst. Endlich tun, was wir möchten. Endlich leben. Aber warum eigentlich erst danach?

Als Arbeit und Leben noch zusammengehörten

Die strikte Trennung zwischen Arbeitsplatz und Wohnort, Arbeitszeit und Freizeit ist historisch keineswegs selbstverständlich. Über viele Generationen lebten Menschen dort, wo sie auch wirtschafteten. Auf Bauernhöfen, in Handwerksbetrieben oder kleinen Familienunternehmen waren Erwerbstätigkeit und Alltag eng miteinander verbunden. Das war nicht unbedingt angenehmer. Die Arbeit konnte schwer sein, die Tage lang und die wirtschaftliche Sicherheit gering. Aber es zeigt: Arbeit und Leben als zwei getrennte Welten zu betrachten, ist nur eine mögliche Art, unseren Alltag zu organisieren. Und vielleicht nicht für jeden Menschen die beste.

Was ist eigentlich Arbeit?

Zurück zu unserem Ehepaar auf dem Campingplatz. War es Arbeit, wenn die beiden mit anderen Urlaubern ins Gespräch kamen? Wenn sie von ihren Produkten erzählten? Wenn daraus später eine Kundenbeziehung entstand? Wirtschaftlich betrachtet konnte das durchaus Teil ihrer selbstständigen Tätigkeit sein. Aber empfanden die beiden es auch so?

Für manche Menschen ist es anstrengend, Kontakte zu knüpfen und Beziehungen zu pflegen. Andere tun genau das mit Begeisterung. Sie interessieren sich für Menschen, hören gern zu, erzählen gern und freuen sich über neue Bekanntschaften. Was für den einen mühsame Akquise ist, kann für den anderen ein selbstverständlicher Teil seines Lebens sein. Die Tätigkeit mag dieselbe sein. Das Erleben muss es nicht. Und vielleicht liegt genau darin eine besondere Form beruflicher Freiheit: nicht darin, möglichst wenig zu tun, sondern etwas zu tun, das zur eigenen Persönlichkeit und Lebensweise passt.

Ein Geschäft, das zum Leben passt

Gerade im Network Marketing wird gern mit Freiheit geworben. Zeitliche Freiheit. Örtliche Freiheit. Finanzielle Freiheit. Aber was bedeutet Freiheit eigentlich im wirklichen Leben? Für den einen heißt sie, morgens nicht mehr zur Arbeit fahren zu müssen. Für die andere bedeutet sie, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Wieder andere möchten reisen, ihren Tagesablauf selbst bestimmen oder mit Menschen zusammenarbeiten, die sie mögen. Bestimmte Formen des selbstständigen Vertriebs können Möglichkeiten bieten, die wirtschaftliche Tätigkeit stärker an das eigene Leben anzupassen. Das bedeutet allerdings nicht, dass Network Marketing automatisch Freiheit schafft. Auch dort gibt es wirtschaftliche Risiken, Verpflichtungen, Kundenfragen und enttäuschende Monate. Und nicht jeder möchte beim Camping, im Café oder auf einer Familienfeier über sein Geschäft sprechen. Auch das gehört zur Freiheit: selbst entscheiden zu können, wann man geschäftlich tätig sein möchte und wann nicht.

Vielleicht stellen wir die falsche Frage

Wenn Menschen über berufliche Freiheit nachdenken, fragen sie häufig: Wie kann ich weniger arbeiten? Wie kann ich früher aufhören? Wie schaffe ich es, irgendwann gar nicht mehr arbeiten zu müssen? Vielleicht lohnt sich aber eine andere Frage:

Wie müsste meine Tätigkeit aussehen, damit ich mich nicht ständig von ihr erholen möchte?

Das bedeutet nicht, auf Erholung oder klare Grenzen zu verzichten. Es bedeutet auch nicht, dass jeder seine Leidenschaft zum Beruf machen muss. Aber vielleicht lässt sich Erwerbstätigkeit so gestalten, dass sie nicht ständig als Unterbrechung des eigentlichen Lebens empfunden wird. Ich denke dabei wieder an das Ehepaar vor seinem Wohnmobil. Zwei Menschen, die mit einem Glas Wein ihren Urlaub genießen, mit anderen ins Gespräch kommen und dabei gelegentlich auch geschäftliche Beziehungen knüpfen. Vielleicht ist das kein Modell für jeden. Aber es ist eine Einladung, über unser Verhältnis zur Arbeit nachzudenken.

Vielleicht besteht die schönste Form beruflicher Freiheit gar nicht darin, endlich Feierabend zu haben, sondern darin, sich nicht ständig nach ihm zu sehnen.

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Auf socialseller.info beschäftige ich mich mit diesen und vielen weiteren Fragen rund um Social Selling. Die Seite bietet kostenlos Informationen, Anregungen und Orientierung für Menschen, die sich mit dieser Form des Vertriebs beschäftigen möchten.